Kurzgeschichten zur EDV

Unter dieser Rubrik möchte ich einige Geschichten erzählen, wie sich mein Verhältnis zur EDV und IT entwickelte und welche Erfahrungen ich damit gemacht habe.
Es können aber auch gern Besucher dieses Museums Beiträge zu ihren Erfahrungen veröffentlichen. Schickt mir bitte solche Geschichten per E-Mail an wolfgang.hoeber@congstar.de zu oder nehmt mit mir Kontakt über Facebook auf.

Mein Studium und die EDV

Mein Studium der Technologie des Maschinenbaus absolvierte ich von 1973 bis 1977 an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt (heute Technische Universität Chemnitz).
In dieser Zeit war die Rechentechnik in der damaligen DDR bestimmt durch die Erzeugnisse des VEB Kombinat ROBOTRON, vor allem Großrechnersysteme R300 und Kleinrechnersysteme der Reihe KRS4000. Die Programmierung erfolgte mit den damals relevanten Programmiersprachen ALGOL, FORTRAN oder BASIC. Die Programme wurden meist auf Lochstreifen gespeichert und damit für die Verarbeitung in den Rechner eingelesen.

In der zweiten Hälfte des Studiums gab es unter anderem auch ein Fach "Grundlagen der EDV", das sich über ein Semester erstreckte und Vorlesungen und Übungen bzw. Seminare beinhaltete. Die Vorlesungen wurden von einem gewissen Professor Martini gehalten. Sie fanden in einem Hörsaal statt, in dem es furchtbar stickige und ermüdende Luft gab. Sie waren furchtbar langweilig und nichtssagend, denn der Professor hatte eine seltsame Methode der Wissensvermittlung. Er warf Folien mittels eines Projektors an die schmutzig-weiße Wand, auf der lediglich die Kapitel-Überschriften standen und die er uns vorlas. Diese schrieben wir auf oder ließen es bleiben. Weitere Ausführungen wurden von uns Studenten in der schläfrigen Luft gar nicht mehr richtig wahrgenommen oder sie waren vollkommen unverständlich dargeboten. Die Dunkelheit trug dazu bei, dass kaum jemand Aufzeichnungen machte, warum auch, mit dem Blabla dieses Professors konnte man vom Verständnis her ohnehin nicht viel anfangen. Einige Studenten holten hier auch ihren versäumten Schlaf nach.
Natürlich beschwerten wir uns auch über diese Art der Vorlesungen, dies war aber nicht von Erfolg gekrönt. Die Vorlesungen gingen in dieser Art weiter. Durch die Beschwerden und ausgelöst von der immer geringer werdenden Resonanz dieser Lehrveranstaltung, wurden natürlich auch die Anwesenheitskontrollen in den Vorlesungen verstärkt. Fast in jeder Vorlesung wanderten nun die Listen durch die Gestühlreihen und man trug sich ein. Man trug auch ganz bereitwillig einige Kommilitonen ein, die nicht anwesend waren und für die man die "Überschriftensammlung" mitschrieb.

Im gleichen Semester fanden auch Übungen in diesem Fach statt. Dabei diskutierten wir sehr angeregt über die verfehlte Wissensvermittlung in den Vorlesungen, denn der Dozent, der die Übungen durchführte, setzte natürlich bestimmte Kenntnisse aus den Vorlesungen voraus, die wir aber nicht hatten.
In den Übungen ging es um die Erstellung von Programmablaufplänen und wir befassten uns mit den Grundlagen verschiedener damals aktueller Programmiersprachen und dann speziell mit der Programmiersprache ALGOL 60. In jeder Übung erhielten wir eine Aufgabe. Diese bestand darin, für die Dateneingabe, Berechnung und Datenausgabe für eine physikalische oder mathematische Formel einen Programmablaufplan zu entwerfen und das zugehörige Programm in ALGOL 60 zu schreiben. Programmablaufplan und Quellcode mussten wir dann in der Rechenstation der Fakultät für einen Rechnerlauf abgeben. Unsere geistigen Ergüsse mit dem Quellcode wurden auf Lochstreifen gestanzt und dann in den KRS 4200 eingelesen. Der arme Rechner, er muss sich ja regelrecht verschluckt und wahrhaftig gequalmt haben ob unserer Programmierkünste. Er hat es jedenfalls in den wenigsten Fällen geschafft, ein brauchbares Ergebnis auszuspucken. Bei einer größeren Anzahl von Studenten kam das Abbruch-Protokoll schon nach wenigen Quellcode-Sätzen, bei einigen lief das Programm etwas länger, die Wenigsten erhielten sogar ein Ergebnis, aber wohl keiner hatte ein richtiges Ergebnis.
Bei meinen Programmierkünsten muss der Rechner wohl besonders den Schluckauf bekommen haben, denn die meisten Auswertungen enthielten die Bemerkung "Berechnung nicht möglich" (oder so ähnlich). Nur einmal kam meine geniale Programmierung bis zu einem Zwischenergebnis, was mir letztendlich die Erfüllung der Lehrzieles und somit das weitere Studieren sicherte.

Das Erlebnis dieses Studienfaches Grundlagen der EDV, die Vermittlungskünste des Professor Martini in den Vorlesungen und die dafür erhaltene Note ergab für mich die Schlussfolgerung: Nie werde ich in meinem weiteren Leben irgendetwas mit EDV zu tun haben wollen. Das Ganze ist zu abstrakt, weder vermittelbar noch begreifbar.

Dennoch kam es einige Jahre später vollkommen anders, wie an anderer Stelle noch beschrieben wird.

Wie wir damals während des Studiums ohne Rechentechnik gearbeitet haben

Abgesehen von diesem Studienfach gab es für uns Studenten keinerlei Rechentechnik zur Erfüllung unserer Studienaufgaben. Das kann man sich in heutiger Zeit vielleicht überhaupt nicht vorstellen. Besonders die heutige Stdentengeneration, die ja von der Grundschule an mit Taschenrechnern arbeiten durfte und einen Rechenschieber wohl kaum kennt, würde wohl mit unseren damals vorhandenen Mitteln zwei Semester länger für das Studium brauchen.
Es gab noch keine Taschenrechner in den Schulen, denn die ersten Taschenrechner wurden ab 1984 für die Erweiterten Oberschulen (heute Gymnasien) und ein Jahr später an den Polytechnischen Oberschulen ab Klasse 7 eingeführt. Alle Berechnungen mussten wir manuell vornehmen, so z. B. mathematische Gleichungen, Getriebeberechnungen, Tragfähigkeitsberechnungen, statische Berechnungen, Berechnungen in der Wärmelehre, Schnittwertberechnungen und vieles Andere. Als Hilfsmittel standen uns lediglich Rechenschieber und Tabellenwerke zur Verfügung zum Ablesen von Logarithmen, Sinus, Cosinus & Co., Festigkeitswerten für Werkstoffe und zur Ermittlung anderer notweniger Ergebnisse. Das Tabellenbuch Metall vom Verlag Technik Berlin von 1965 (Preis 6,- Mark der DDR) und einschlägige Lehrmaterialien der TH Karl-Marx-Stadt waren unsere einzigen vertrauten Rechenhilfen.
Selbst die Berechnung eines kompletten zweistufigen Stirnradgetriebes für einen großen Beleg im Fach Konstruktionslehre/Maschinenelemente mussten wir manuell erstellen. Es gab damals auch keine computergestützte Konstruktion, denn es gab ja noch keine PC. So wurde die komplette Konstruktion des Getriebes mit allen Baugruppen- und Einzelteilzeichnungen manuell erstellt. Dazu wurde zuerst ein Entwurf mit Bleistift gezeichnet und daraus resultierend mit Skribent und Tusche die Konstruktionszeichnungen angefertigt.

Bei meiner Diplomarbeit, in der es um wissenschaftliche Untersuchungen zum Verschleißverhalten an Werkzeugschneiden ging, wurden alle Messwerte manuell in Tabellen erfasst, berechnet und die Ergebnisse in Tabellen und Diagrammen dargestellt, die ebenfalls mit Skribent und Tusche gezeichnet werden mussten. Die gesamte Diplomarbeit habe ich, und viele andere Kommilitonen ebenso, im Original mit der Schreibmaschine geschrieben und dann in einer Lichtpauserei vervielfältigen lassen. Oder wenn man nicht mit der Schreibmaschine umgehen konnte oder verwandtschaftliche Beziehungen hatte, konnte man die Diplomarbeit schreiben lassen. Meine Diplomarbeit umfasste ca. 140 Seiten, davon waren allein ca. 90 Seiten Tabellen und Diagramme zum Schnittwert-Verschleiß-Verhalten an diversen Werkzeugen mit verschiedenen Schneidenwinkeln und Schneidwerkstoffen.
Ich kann mir das selbst heute gar nicht mehr so richtig vorstellen, was das für ein Aufwand war, diese Diplomarbeit zu schreiben, und wir hatten für die gesamte Diplomarbeit lediglich ein viertel Jahr Zeit, vom Empfnag der Aufgabenstellung bis zur Abgabe. Heute setzt man sich an den Computer, gibt die Werte ein, kann die Diagramme per Mausklick erstellen und druckt die Ergebnisse aus.

Aufgeschrieben von Wolfgang Hoeber, Februar 2013

Mein neues Verhältnis zur EDV

Mein erster privater Computer

Bei meinem ersten Verwandten-Besuch nach der Grenzöffnung zur damaligen BRD habe ich in Helmbrechts und in Bayreuth die ersten richtigen Computer in einschlägigen Geschäften bewundern können. Das war ja für mich äußerst interessant, zumal ich in der Firma für meine Arbeit als Projektleiter noch nicht mal einen "richtigen" PC, etwa einen EC 1834, zugewiesen bekam. Ich durfte lediglich einen BC A5120, welcher in der Abteilung Technologie stand, mit benutzen. Dazu musste ich extra ins Stammwerk nach Leipzig fahren und für meine Arbeiten musste ich Rechenzeit beantragen.

Kurze Zeit nach den Wendeereignissen, zu Beginn des Jahres 1990, kamen die ersten "West-Computer" in die DDR-Elektronik-Läden. Diese waren sowohl in DDR-Mark als auch in DM ausgepreist. Als ich das erste Mal ein Schaufenster an der Wurzner Straße in Leipzig ansah und die Preisschilder für Computer las, konnte ich mir nicht vorstellen, mir jemals einen eigenen Computer leisten zu können, obwohl ich ja eigentlich schon daran interessiert war. Da waren Preise für Rechner zu lesen von 4000 bis 10000 Mark. Für 14-Zoll Monitore waren Preise angegeben von ca. 1500 Mark für schwarz/weiß- bis 5000 Mark für Farbgeräte, allein ein 10er Paket 5¼-Zoll Disketten war für ca. 200 Mark zu haben. D-Mark hatte zu dieser Zeit ja kaum jemand, auch ich nicht, allein das Begrüßungsgeld von 100 DM nannte ich mein Eigen. Mein Verdienst war zwar nicht schlecht, aber für solche Preise hätte ich schon noch einige Zeit arbeiten müssen.

Es wurden jedoch zu dieser Zeit schon politische Bestrebungen offenkundig, nach denen bald eine Währungsunion kommen sollte. Wie auch immer deren Realisierung erfolgen sollte, ich konnte zumindest hoffen, dass ich mir aufgrund der aus dem Besuch im Westen bekannten Preise dann einmal solch ein Gerät leisten könnte. Nach der erfolgten Währungsunion im Juli 1990 hatte ich einige Verluste auf meinem Konto zu verzeichnen und musste noch eine Zeit sparen. Aber da ich ein relativ gutes Einkommen hatte, konnte ich mir dann 1991 meinen Traum erfüllen und einen Computer kaufen.

Es gab zu dieser Zeit eine Menge Computerhändler, kleine und große. Vor allem kleinere Anbieter schossen wie Pilze aus der Erde und man musste erst einmal ermitteln, wo man denn seriös beraten und versorgt werden konnte. Es gab einige Hinweise, dass sich da auch allerlei illegale Vertriebskanäle etabliert hatten. So war es also nicht ganz einfach, einen geeigneten Händler zu finden. Doch mir gelang es, durch Mund-zu-Mund-Propaganda, einen Händler in meiner Nähe zu finden, einen einheimischen behinderten Menschen, der sich mit einem Computerservice selbständig gemacht hatte. Er baute die Geräte selbst aus handelsüblichen Bauteilen zusammen und bot auch einen akzeptablen Service an. Die Verständigung war zwar nicht ganz einfach, da er sprach- und hörbehindert war, aber er hat meine Wünsche verstanden und mir entsprechende Angebote unterbreitet, aus denen ich dann meinen Wunsch-PC auswählte. Das Komplettangebot für den PC, den Monitor und einen Nadeldrucker erschien mir vergleichsweise günstig und so kaufte ich für einen Preis von 2500 DM folgende Konfiguration:
PC 80286 12 MHz, 1 MB RAM (bis 4 MB erweiterbar), 40 MB Festplatte, 256 kB Graphikkarte, 5¼-Zoll und 3½-Zoll Diskettenlaufwerk, 2 serielle und 1 parallele Schnittstelle, Tastatur und Maus, 14-Zoll Colormonitor, CITIZEN 24-Nadel-Drucker s/w. Als Betriebssystem war MS-DOS 5.0 installiert, weiterhin als Software MS Windows 3.0, MS Word 5.0 (DOS), SuperCalc, Geoworks, PC-Tools, REDABAS u. a.
Das war schon eine softwaremäßig recht ordentliche Ausstattung, mit der man etwas anfangen konnte. Mit MS Word für DOS (weil ich mir Word für Windows und Excel nicht leisten konnte) war zwar keine grafische Darstellung der Schriftarten und -größen möglich (Wysiwyg), aber immerhin wurden Schriftschnitte und Effekte farblich markiert dargestellt. Mit der OAK-Graphikkarte (VGA, 16 Bit-ISA-Technologie) ) mit 256 kB Speicher war eine Auflösung von 640x480 Pixeln möglich mit der Darstellung von 256 Farben, aber eine spezielle Farbtunnel-Software erlaubte auch eine Darstellung von 16,7 Mio. Farben!

Da diese Softwareausstattung auf der 40-MB-Festplatte ziemlich wenig Platz ließ für die Datenablage, kaufte ich mir Anfang 1992 eine 106-MB-Festplatte für 732 DM (damals eine der größten erhältlichen Festplatten) und baute diese ein. Das reichte dann erst mal für den privaten Gebrauch. Trotzdem stelle man sich einmal die technisch-kommerzielle Entwicklung in 21 Jahren vor: 732 DM entsprechen heute etwa 366 Euro. Damals kostete demnach 1 MB HDD-Speicher 3,45 Euro, heute kostet 1 GB HDD-Speicher ca. 0,06 Euro und weniger!

Für heutige junge PC-User ist diese Konfiguration sicherlich nicht mehr vorstellbar. Die Dimensionen waren vollkommen anders, nicht nur der Hardware, sondern auch die Software war ja entsprechend wesentlich schlanker. Ein sehr gut ausgestatteter Office-PC kostet heutzutage ca. 600 Euro. Nadeldrucker gibt es nur noch zu sehr hohen Preisen für Spezialeinsätze, aktuell sind heute Tintenstrahldrucker mit Fotodruck-Qualität, die bereits für 50 Euro zu haben sind. Mein erster Tintenstrahldrucker, ein Olivetti (Lizenz des HP Deskjet 500) kostete z. B. 1993 ca. 550 DM, der Original HP Deskjet 500 kostete noch wesentlich mehr, etwa um die 800 DM.

Aufgeschrieben von Wolfgang Hoeber, Januar 2013

Meine Rechentechnik in der Entwicklung

In diesem Kapitel will ich zeigen, wie sich die von mir privat und geschäftlich genutzte Computertechnik im Laufe der Jahre veränderte, ja zwangsläufig verändern musste, um mit dem Stand der Technik mithalten zu können. Meinen ersten privaten PC hatte ich ja an anderer Stelle bereits vorgestellt. In der Folgezeit entwickelten sich die Technik und Preise für die Computer sehr schnell weiter.



Fertigstellung und Veröffentlichung voraussichtlich im Mai 2013

Die Entwicklung meiner Computer in der Übersicht

Jahr Angeschaffte TechnikAusstattungVerwendungBild